Autofasten 2014


Autofasten 2014
(Jeûne automobile 2014)

Autofasten-Hauptgewinn geht nach Rappweiler

Aktion Autofasten übergibt Hauptgewinn

Preisübergabe Autofasten

Freut sich riesig über das neue Fahrrad: (v.r.) Karin Schwindt mit Helmut Paulus von der Aktion Autofasten und Florian Schuster vom Fahrradladen Saarbrücken.

 

Karin Schwindt aus Rappweiler hat einen Hauptpreis der diesjährigen Aktion Autofasten gewonnen. Das Rad der „vsf fahrradmanufaktur“ überreichten Helmut Paulus von der Aktion Autofasten und Florian Schuster vom „fahrradladen“ Saarbrücken am 9. Juli der Gewinnerin.

Karin Schwindt hat zum ersten Mal an Autofasten teilgenommen und freut sich jetzt riesig über das neue Rad. „Ich bin im letzten Sommer oft mit meinem Fahrrad aus Rappweiler zur Klinik nach Losheim gefahren, wo ich als Krankenschwester arbeite. Es war toll, so morgens den Sonnenaufgang zu erleben“, erzählt die 55-Jährige. So kam sie auf die Idee, sich einmal bei Autofasten zu beteiligen. „Dies ist eine sehr gute Aktion der beiden Kirchen zum Klimaschutz “, sagt Schwindt. Weil es ja Winter war, nutzte sie Bus und Rad gemeinsam. Dabei musste sie jedoch die Erfahrung machen, dass sie mit ihrem Rad nicht von allen Busfahrern mitgenommen wurde.  Da gebe es bei den Busunternehmen noch Nachholbedarf.

„Der fahrradladen“ ist als Sponsor bei Autofasten schon länger dabei. „Das Rad wurde von uns montiert und an die Körpergröße der neuen Besitzerin angepasst“, erläutert Schuster. Er gab Karin Schwindt gute Tipps mit auf den Weg, wie das Rad zu pflegen ist. Paulus bedankte sich für die großzügige Unterstützung durch den fahrradladen und die vsf Fahrradmanufaktur.

An der Aktion Autofasten, zu der die beiden großen Kirchen für die Fastenzeit aufgerufen hatten, haben sich im Saarland in diesem Jahr rund 500 Frauen und Männer beteiligt. Insgesamt waren es rund 1700 Teilnehmer.

Das Autofasten bietet für alle Interessierten die Möglichkeit, bewusster unterwegs zu sein. Im Hintergrund steht die Frage, für welche Fahrten man auch andere, umweltfreundlichere Verkehrsmittel verwenden könnte. Unter allen Teilnehmenden wurden neben zwei Fahrrädern als Hauptgewinne auch Bahncards verlost.

 

1701 Menschen beteiligten sich an Autofasten 2014

„Begeistert wie gut das mit weniger Auto klappt“

Etwa 200 Teilnehmer mehr als 2013: Das ist die Bilanz der Aktion Autofasten in diesem Jahr. 1.701 Menschen beteiligten sich an der Aktion, zu der die Evangelische und die Katholische Kirche mit verschiedenen Partnern eingeladen hatten. Im Saarland hatten sich 512 Personen angemeldet, im Bereich des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT) 192 Personen. In Saarbrücken und Trier fanden jetzt auch Auswertungsgespräche statt, bei denen Autofasterinnen und Autofaster über ihre Erfahrungen berichteten.

Das Autofasten ist für einige mit großen Mühen verbunden, besonders in ländlichen Gebieten. Davon berichtete die 72-jährige Heide Weidemann, die aus Erden mit Bus und Bahn nach Trier gekommen war. Ihr ist das Auswertungsgespräch wichtig, um Anregungen für die Aktion und den öffentlichen Nahverkehr zu geben. Sie wünscht sich mehr Sonderangebote von den Verkehrsverbänden. Auch das Taxiangebot und Mitfahrmöglichkeiten könnten in die Aktion integriert werden.

Renate Fries aus Völklingen hat zum ersten Mal versucht ihr Auto möglichst oft stehen zu lassen und ihre Wege anders zu organisieren. „Ich bin ganz viel zu Fuß gegangen“ sagt sie beim Auswertungsgespräch. Und dabei habe sie das Auto vorher immer gerne benutzt, ohne sich groß Gedanken zu machen. „Ich bin sogar bis zum Briefkasten gefahren, wenn es sein musste“, sagt sie. Nach fast vier Wochen Autofasten ist sie „begeistert wie gut das mit weniger Auto klappt“. Allerdings habe sie auch viel lernen müssen. Etwa das Busfahren, oder genauer, die Zeitplanung die dazu gehört. Auch Einkäufe ohne Auto mussten sehr viel besser organisiert werden: Was kann ich zu Fuß besorgen und tragen, was kann ich mit dem Fahrrad erledigen und wozu brauche ich dann doch das Auto? Wenn sie dann das Auto einsetzen musste, dann habe sie die Fahrt genau vorbereitet, erklärt Renate Fries. Im Beruf allerdings, so vermutet die derzeitige Hausfrau, „da ist man eher fremdbestimmt und kann seine Zeit nicht so frei einteilen“. Wenn man ohne Auto lebe, dann „ticken die Uhren langsamer“, sagt sie. Damit verschwende man aber keine Zeit, vielmehr werde das Leben stressfreier, weil man seine Termine und Anliegen nicht so dicht beieinander lege. Insgesamt ist Renate Fries mit ihrem Autofasten zufrieden, sie will auch zukünftig das Auto „bewusster einsetzen“ und stattdessen – wie in den letzten vier Wochen – „mehr zu Fuß gehen“.

Insgesamt waren die anwesenden Autofasterinnen und Autofaster mit der Pünktlichkeit der Züge und Busse im Saarland zufrieden. Hans Spaniol aus Wustweiler hätte gerne auch noch eines der Elektroautos ausprobiert, „da sei es aber zu kompliziert dran zu kommen“, war seine Erfahrung.

Andreas Motsch aus Saarbrücken war während der Aktion viel zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat er öfter den Weg von seiner Wohnung nach Burbach zurückgelegt und ist begeistert wie gut und schnell das geht. Zum Ostermarkt nach St. Wendel hat er die Bahn genutzt und war auch da überrascht über die gute Verbindung: „Da war ich schneller als mit dem Auto“. „Als Stadtmensch braucht man eigentlich kein Auto“ ist sein Fazit.

Anders sieht das bei Albert Ottenbreit aus, der lernen musste, dass er für berufliche Termine nicht auf das Auto verzichten kann. Dazu sei der Termindruck zu hoch. „Wer herrscht über unsere Zeit? fragt er sich deshalb.

Ursula Hübner aus Saarbrücken hat als „passionierte Fahrradfahrerin“ mit gemacht und festgestellt, dass sie in Bussen und Bahnen auch Kontakt zu jungen Menschen bekommt und zu ausländischen Mitbürgern, zu Menschen „die normalerweise nicht zu meinem Alltag gehören“. Und noch eine ganz andere Erfahrung sei ihr ohne Auto sehr viel leichter möglich: „Ich genieße es, das Wetter zu spüren“.

Dr. GundoLames und Rosemarie Radant von der Geschäftsstelle Autofasten zogen eine positive Bilanz der diesjährigen Aktion: „Autofasten lebt aber nicht allein von der großen Teilnehmerzahl, sondern vor allem von den Erfahrungen der Menschen“, sagte Lames. In der Geschäftsstelle seien viele positive viele Rückmeldungen eingegangen. Teilnehmende kämen im Bus in Kontakt mit Schülern und anderen Mitfahrern. So erlebten sie eine Wirklichkeit, mit der sie sonst nicht in Berührung kämen. Auch Fahrgemeinschaften hätten sich gebildet und die Menschen tauschten sich über ihre Mobilität aus. Ein Kernpunkt des Autofastens sei auch die Bewahrung der Schöpfung, sagte Lames. Dazu leiste jeder und jede Teilnehmende einen Beitrag. Doch die Menschen sollten vor allem spüren, „dass es gut tut, das Auto stehen zu lassen“.