Antworten auf den Klimawandel
Im Süden von Bangladesch sind die Folgen der Erderwärmung schon jetzt spürbar. Überschwemmungen und Wirbelstürme suchen die Region immer häufiger heim, Salzwasser dringt immer weiter ins Landesinnere vor. Die Organisation Prodipan hilft den Betroffenen, sich an die Klimaveränderungen anzupassen.

Krisenbesprechung
Auf dem harten Betonboden des Versammlungssaals von Kalabogi sitzen mehrere Dutzend Menschen, meist mit gekreuzten Beinen. Durch die vergitterten Fenster fällt ein Raster aus Licht und Schatten über die bunten Saris der Frauen und die weißen Beinkleider der Männer. Die Frauen sitzen auf der einen, die Männer auf der anderen Seite. Neugierig blicken sie aus ihren hageren, sonnengegerbten Gesichtern. Viele haben rote Zähne vom Kauen der Betelnuss, die meisten der Älteren haben fast gar keine Zähne mehr im Mund. Ein Mann mit grauem Vollbart steht auf und sagt: „Wir sind sehr beunruhigt, eines Tages wird hier niemand mehr leben können.“ Die anderen fallen Shahagahan Ali Sarder zustimmend ins Wort: „Es gibt immer weniger Fische.“ „Der Reis wächst auf vielen Feldern nicht mehr.“ „Die Teiche für das Trinkwasser versalzen.“
Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes

Überschwemmte Felder
Kalabogi ist ein Dorf im äußersten Süden von Bangladesch. Nur die Sundarbans, der größte Mangrovenwald der Welt, trennen diesen Landstrich vom Golf von Bengalen. Die Landschaft ist zerfurcht von Flüssen und Kanälen. Hier ergießen sich mit Brahmaputra und Ganges zwei der größten Flüsse Asiens ins Meer. In dem riesigen Delta bildet sich immer wieder von neuem fruchtbares Schwemmland, auf dem Reis und Gemüse gedeiht. Auch der reiche Fischbestand könnte die Bewohner gut ernähren. Doch weil das Land nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, wird es regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht. Hinzu kommen Naturkatastrophen apokalyptischen Ausmaßes, wie zuletzt im November 2007 der Wirbelsturm Sidr.
Doch den Menschen bleibt gar nichts anderes übrig, als hier zu siedeln. Die 150 Millionen Einwohner Bangladeschs müssen mit einer Fläche auskommen, die nur halb so groß ist wie Deutschland. Also leben die Menschen vom Wasser, mit dem Wasser – und trotz des Wassers.
Salzwasser dringt ins Landesinnere vor

In der Trockenzeit führen die Flüsse wenig Wasser
„In den letzten 15 Jahren hat sich die Situation enorm verschlechtert“, sagt Shahagahan Ali Sarder. Die Zahl und Heftigkeit der Stürme hat zugenommen. Der ansteigende Meeresspiegel drückt Salzwasser in die Flüsse, das über Bewässerungssysteme in die Reisfelder gelangt. Das salzige Meerwasser kann auch deshalb so weit ins Landesinnere vordringen, weil die Flüsse in der Trockenzeit weniger Süßwasser führen als früher. Denn der übermächtige Nachbar Indien hat am Oberlauf des Ganges große Staudämme gebaut. Zur Zeit der Schneeschmelze wiederum – wenn die Schleusen geöffnet werden – überschwemmen bisher nie gekannte Wassermassen das Land. Denn durch die Erderwärmung schmelzen immer mehr Schnee und Eis im Himalaya. Zur Versalzung von Land und Wasser trägt außerdem die extensiv betriebene Zucht von Salzwassergarnelen bei, von der nur sehr wenige Investoren profitieren. „Für all diese Veränderungen sind wir nicht verantwortlich – doch wir haben am meisten darunter zu leiden“. Shahagahan Ali Sarders Augen blitzen kurz auf.
Aufklärungsarbeit war erfolgreich
Es ist erstaunlich. Shahagahan Ali Sarder und die meisten anderen Bewohner des Dorfes sind nur wenige Jahre zur Schule gegangen, wenn überhaupt: viele von ihnen sind Analphabeten. In dem Dorf gibt es keine Zeitungen und nur wenige Fernseher. Und doch sind diese einfachen Leute sehr gut informiert. Seit einigen Monaten bekommen sie regelmäßig Besuch von Mitarbeitern von Prodipan, einer Partnerorganisation von „Brot für die Welt“. Die klären die Dorfbewohner darüber auf, warum sich ihre Lebensumstände so dramatisch gewandelt haben und was sie dagegen tun können. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen hat Prodipan ein Netzwerk geknüpft, das Lobbyarbeit für diese vom Klimawandel bedrohten Menschen betreibt. Ihre Situation soll stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken, damit die Regierung und internationale Organisationen die Bewohner mehr unterstützen.

Hausbesuche per Boot
„Die Dorfbewohner sollen aber auch vor der eigenen Haustür kehren“, sagt Nilufea Akhter. Die Mitarbeiterin von Prodipan besucht regelmäßig mit dem Boot die weit entlegenen Dörfer. „Die Bewohner müssen lernen, mit den Ressourcen des Mangrovenwaldes schonender umzugehen“. Viele schlagen dort zum Beispiel illegal Holz, um es auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Prodipan erklärt ihnen, dass dies gefährlich ist, weil die Mangroven sie und ihr Land vor Wirbelstürmen schützen. „Viele halten sich mittlerweile an das Einschlagverbot der Regierung“, erklärt Nilufea Akhter.
Alternative Einkommensquellen

Schwieriges Vorwärtskommen
Dazu beigetragen haben sicherlich auch die Kleinkredite, die Prodipan den Dorfbewohnern mit Unterstützung von „Brot für die Welt“ zur Verfügung stellt. Mit den Minidarlehen bauen sich die Menschen eine alternative Einkommensquelle zu Holzeinschlag, Reisanbau oder Fischfang auf. Shahagahan Ali Sarder zum Beispiel hat sich mit Hilfe eines Darlehens von umgerechnet etwa achtzig Euro eine kleine Zucht für Süßwassergarnelen angelegt. „von dem Geld habe ich das erste Becken ausgehoben und Setzlinge und Futter gekauft“, sagt er und zeigt auf das Gelände hinter seiner Hütte aus Bambus und Lehm, wo er mittlerweile schon den dritten Teich ausgehoben hat. Das nötige Know-how dazu haben ihm Prodipan-Mitarbeiter vermittelt.
Die Garnelenzucht läuft so gut, dass Shahagahan Ali Sarder nicht nur sein Darlehen zurückzahlen konnte, er hat sich inzwischen auch drei Kühe und vier Ziegen angeschafft. Wie es aussieht, wird das Unternehmen eines Tages auch seinen fünf Kindern eine wirtschaftliche Perspektive bieten.
Ihre Spende hilft
Sie möchten das Projekt „Antworten auf den Klimawandel“ unterstützen? Dann können Sie dies mit einer Überweisung auf folgendes Konto tun:
Brot für die Welt
BW Bank Stuttgart
BLZ 600 501 01
Konto-Nr.: 500 500 0
Bitte geben Sie auf Ihrer Überweisung das Stichwort „Autofasten – Klimaschutz“ an.
Was kostet wie viel?
- Eintägiges Training zur Katastrophenvorbeugung: 25,- Euro
- Vier Ziegen zur Errichtung einer Kleintierzucht: 50,- Euro
- Aufbau einer kleinen Zucht für Süßwassergarnelen: 80,- Euro
