Aus(zeit) fürs Auto: Nur einmal im Jahr?
Studie über die Langzeitwirkung der Aktion AUTOFASTEN (Kurzfassung)
Von Kerstin Pfetsch
Eine Studie der Universität Trier ergab, dass die Aktion AUTOFASTEN das Verkehrsverhalten der Teilnehmer nicht nur während der Fastenzeit beeinflusste. Die meisten AUTOFASTER kamen auf den Geschmack: Auch nach der Aktion blieb das Auto häufiger zu Hause.
Schon längere Zeit interessiert die Aktionszentrale AUTOFASTEN die Fragestellung, ob die Teilnehmer der Aktion AUTOFASTEN ausschließlich in der Fastenzeit weniger Auto fahren oder ob die Aktion auch Auswirkungen auf das spätere Verkehrsverhalten der Teilnehmer hat.
In einer Projektstudie der Universität Trier wurden bereits 1999 einige Teilnehmer der Aktion dazu befragt, ob Sie vorhaben, auch in Zukunft weniger Auto zu fahren. In der damaligen Studie bejahten die meisten AUTOFASTER diese Frage. Da es sich jedoch lediglich um eine Absichtserklärung der Teilnehmer handelte, wurde vorgeschlagen, zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Studie durchzuführen, um zu erfahren, ob die Teilnehmer ihre Absichten auch tatsächlich umgesetzt haben.
Auf Grund dessen wurde 2001 im Rahmen einer Diplomarbeit des Studienfaches “Angewandte Geographie / Raumentwicklung” der Universität Trier ein Fragebogen erarbeitet, der an 1.276 AUTOFASTER der letzten Jahre geschickt wurde. Ausgewertet werden konnten ca. 400 zurückgeschickte Fragebögen sowie ein Gruppengespräch und einige telefonische Interviews mit Teilnehmern aus dem Aktionsraum.
Wer nahm an der Aktion teil?
An der Aktion nahmen zu ca. gleichen Teilen Männer und Frauen teil. Dabei war die Altersgruppe der 36 – 50 -jährigen mit 46 % deutlich am stärksten vertreten. Im Vergleich mit der Gesamteinwohnerzahl Deutschlands war diese Altersgruppe, ebenso wie die der 51 – 65-jährigen überdurchschnittlich vertreten. Die Teilnehmer kamen aus sehr unterschiedlichen Wohngegenden. Auto gefastet wurde sowohl in innenstadtnahen Gebieten als auch in städtischen Randgebieten, Vororten und ländlichen Gemeinden.
Warum wurde Auto gefastet?
Hauptgrund für die Beteiligung an der Aktion war für die meisten Teilnehmer der Umweltaspekt (75 %; Mehrfachantworten waren möglich). Die AUTOFASTER waren sich also bereits bei ihrer Anmeldung zur Aktion bewusst, dass sie einen Beitrag zum Erhalt der Umwelt – und damit der Schöpfung Gottes – leisten konnten und wollten, indem sie ihr Auto möglichst selten benutzten.
Auch die Verlosung der Fastentickets zur zweiwöchigen kostenlosen Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel war für viele Teilnehmer eine Motivation, sich an der Aktion zu beteiligen (46 %). Mit dieser Fahrkarte fiel es den Teilnehmern leichter, in der Fastenzeit Busse und Bahnen dem Auto vorzuziehen (siehe Abbildung 1).
Wie wurden die Teilnehmer auf die Aktion aufmerksam?
Die meisten Teilnehmer erfuhren unter anderem aus der Zeitung von der Aktion AUTOFASTEN (46 %). Die positive Aufnahme in der Presse trug also zum allgemeinen Erfolg der Aktion bei.
Auch durch Bekannte und Verwandte wurden viele Menschen auf die Aktion aufmerksam gemacht (34 %). Dies zeigten auch die Antworten auf die Frage, ob mit anderen über die Aktion gesprochen wurde: Nur sieben Personen verneinten diese Frage, alle anderen führten – vor allem innerhalb der Familie sowie mit Freunden und Bekannten – Gespräche über das AUTOFASTEN und motivierten teilweise andere zur Teilnahme.
Über eine Kirchengemeinde erfuhren 19 % der Teilnehmer vom AUTOFASTEN. Des Weiteren trugen Plakate (23 %), Handzettel (13 %) sowie Berichte in Radio, Internet und Fernsehen zur Bekanntmachung der Aktion bei (siehe Abbildung 2).
Wie bewerteten die Teilnehmer die Aktion?
Fast alle AUTOFASTER (90 %) waren mit der Aktion ziemlich bis sehr zufrieden. Das AUTOFASTEN wurde von vielen als Bereicherung angesehen.
Die genauere Untersuchung darüber, was den Teilnehmern an der Aktion besonders gut gefallen habe, ergab folgende Ergebnisse: Sehr begeistert aufgenommen wurden sowohl die kostenlose Fahrkarte (70 %, Mehrfachantworten waren möglich) als auch die allgemeine Anregung, das Auto einmal stehen zu lassen (56 %). Mit seinen Ideen und Informationen stand das MitmachHeft an dritter Stelle der Favoritenliste (siehe Abbildung 3).
Was kann man noch verbessern?
Verbesserungsvorschläge machten die Teilnehmer hauptsächlich in Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit der Aktion. Ihrer Meinung nach sollte noch mehr Werbung für das AUTOFASTEN gemacht werden. Des Weiteren würden sich einige Teilnehmer über mehr Austauschmöglichkeiten mit anderen AUTOFASTERn freuen.
Ebenfalls für verbesserungswürdig hielten die Aktionsteilnehmer die Angebote des Öffentlichen Verkehrs. Busse und Bahnen sollten nach Meinung der AUTOFASTER noch häufiger fahren und preisgünstigere Angebote machen.
Auch die Fahrradwege lassen vielerorts leider noch zu wünschen übrig. Mit mehr und qualitativ hochwertigeren Fahrradwegen würde den Teilnehmern das Fahrradfahren noch mehr Spaß machen.
Verkehrsverhalten
Auf die direkte Frage an die AUTOFASTER, ob sich ihrer Meinung nach durch die Aktion etwas an ihrem späteren Verkehrsverhalten verändert habe, antworteten 61 % mit Ja, es habe sich etwas geändert und 39 % mit Nein, dies sei nicht der Fall. Über die Hälfte der Teilnehmer sind also der Meinung, durch die Aktion AUTOFASTEN habe sich ihr Verkehrsverhalten auch längerfristig verändert.
Ersetzt wurden Autofahrten durch Fußwege sowie Fahrten mit dem Fahrrad oder Öffentlichen Verkehrsmitteln (= Bus und Bahn). Hierbei ist festzuhalten, dass zu ca. gleichen Teilen auf Fahrrad, Füße und Öffentlichen Verkehr umgestiegen wurde, es gibt sozusagen keinen eindeutigen “Hauptgewinner”.
Für 14 Personen endete die “Aus-Zeit” mit einem “Aus” für das Auto: Sie schafften aufgrund ihrer Erfahrungen während des AUTOFASTENs das Auto ab. Teilweise wurde dabei der eigene Pkw durch die Mitgliedschaft bei einer Teil-Zeit-Auto-Organisation (car-sharing) ersetzt. Des Weiteren bemühten sich einige Teilnehmer vermehrt um die Bildung von Fahrgemeinschaften und versuchten unnötige Wege zu vermeiden. Auch auf den Fahrstil bezogen traten Verhaltensänderungen auf, wie z. B. eine energiesparendere Fahrweise und erhöhte Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.
Einige AUTOFASTER nahmen vom Kauf eines Zweitwagens Abstand oder achteten beim Autokauf stärker als zuvor darauf, ein abgasarmes, sparsames Fahrzeug zu erstehen.
Als Grund für die Beibehaltung bisherigen Verkehrsverhaltens wurden sehr häufig fehlende Alternativen genannt. Hierunter fallen beispielsweise keine oder sehr schlechte Anbindungen an den Öffentlichen Verkehr sowie ein Beruf, für den das Auto unabkömmlich ist.
Ebenfalls sehr viele Teilnehmer gaben an, dass sie bereits vor der Aktion so selten das Auto nutzten, dass Ihnen eine weitere Reduktion auf Dauer nicht mehr möglich war.
Hauptverkehrsmittel
Im Folgenden werden die Hauptverkehrsmittel der Teilnehmer, aufgeteilt nach einzelnen Verkehrszielen vorgestellt. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der Weg zum Arbeitsplatz, da dieser von sehr vielen Teilnehmern fast täglich zurückgelegt wird.
Weg zum Arbeitsplatz
Im Vergleich der Verkehrsmittelwahl vor und nach der Aktion nahm der Autoverkehr auf dem Weg zum Arbeitsplatz um 14 Prozentpunkte ab, was einer prozentualen Veränderung von 29 % entspricht. Dies bedeutet, dass 29 % der ehemaligen Autofahrer seit der Aktion AUTOFASTEN nicht mehr täglich mit dem eigenen Pkw zur Arbeit fahren, sondern mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (= umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, Fahrrad oder Füße) zur Arbeitsstelle gelangen.
Da es sich bei der Fahrt zum Arbeitsplatz um eine täglich zurückzulegende Wegstrecke handelt, ist anzunehmen, dass die Neukunden des Öffentlichen Verkehrs Monatsfahrkarten erstanden. Die Verkehrsbetriebe können sich also durch die Aktion über einige neue Stammkunden freuen.
Einkaufsverkehr
Gerade beim Transport von Gegenständen, also auch beim Einkaufen, neigt man oft dazu, das Auto als unverzichtbar anzusehen. Doch auch beim Einkaufsverkehr gewann der Umweltverbund im Vorher-Nachher-Vergleich einige ehemalige Autofahrer hinzu. Sie nutzen nun hauptsächlich Busse und Bahnen bzw. das Fahrrad zum Einkaufen (siehe Abbildung 6).
Freizeitverkehr
Wie auch in anderen Studien zeigten sich die Teilnehmer im Freizeitbereich am flexibelsten bei der Verkehrsmittelwahl. Bereits vor der Aktion AUTOFASTEN erfreute sich das Fahrrad hoher Beliebtheit in diesem Bereich. Dies setzte sich in der Fastenzeit fort; seit der Aktion ist das Fahrrad das beliebteste Freizeitverkehrsmittel der AUTOFASTER. Mit ihm werden zur Zeit 43 % aller Wege im Freizeitbereich zurückgelegt. Aber auch der Öffentliche Verkehr und das Zu-Fuß-Gehen gewannen durch die Aktion an Attraktivität.

Sonderwege
Bei den – nicht so häufig zurückgelegten – Sonderwegen (Arztbesuche, Behördengänge, etc. ) wurden vor der Aktion mehr als die Hälfte der Fahrten mit dem Auto zurückgelegt. Aber auch hier gewannen die Verkehrsmittel des Umweltverbundes einige Kunden hinzu. Das Fahrrad war dabei der Hauptgewinner.

Durchschnittliche Verkehrsmittelwahl
Bei der Berechnung der durchschnittlichen Verkehrsmittelwahl wurden die Häufigkeiten der einzelnen Fahrtzwecke mittels Gewichtung berücksichtigt. Über alle Verkehrswege hinweg nahm das Auto als Hauptverkehrsmittel um 25 % ab. Den größten Zuwachs hatte das Fahrrad (+ 32 %), eng gefolgt von Öffentlichem Verkehr und Fußgängerverkehr mit jeweils 29 % Zunahme.

Fazit
Insgesamt kann die Aktion AUTOFASTEN als voller Erfolg angesehen werden. Die meisten Teilnehmer waren mit der Aktion zufrieden. Viele veränderten ihr Verkehrsverhalten nachhaltig, also auch außerhalb der Fastenzeit. Teilnehmer aus ländlichen Gebieten änderten dabei genauso häufig ihr Verkehrsverhalten wie AUTOFASTER aus innenstadtnahen Bereichen, obwohl die Anbindungen an den Öffentlichen Verkehr in ländlichen Gebieten oftmals schlechter sind.
Durch einige Verbesserungen der Bus- und Bahnanbindungen sowie der Fuß- und Radwege könnte sich die Zahl derer, die das Auto häufiger stehen lassen, allerdings noch erhöhen.
Viele Teilnehmer freuen sich bereits auf die nächste AUTOFASTEN-Zeit mit MitmachHeft, Fastenticket und Veranstaltungen rund um die Auszeit fürs Auto.
Kontakt:
cand. geogr. Kerstin Pfetsch
e-mail: Kerstin.Pfetsch@web.de
